Kosten, Pflegegrad & Finanzierung
Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten einer 24-Stunden-Betreuung nicht als eigenständige Pauschalleistung. Familien können jedoch Pflegegeld, ambulante Pflegesachleistungen, den Entlastungsbetrag, Leistungen für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie mögliche Steuerermäßigungen nutzen. Welche Unterstützung tatsächlich eingesetzt werden kann, hängt vom Pflegegrad, vom Betreuungsmodell und von der Anerkennung des jeweiligen Leistungserbringers ab.
Die Bezeichnung 24-Stunden-Betreuung beschreibt eine Betreuungssituation, bei der eine Betreuungskraft für einen vereinbarten Zeitraum im Haushalt lebt. Sie bedeutet nicht, dass eine einzelne Person 24 Stunden täglich arbeitet. Arbeitszeiten, Bereitschaftszeiten, Pausen, Freizeit und Nachtruhe müssen rechtlich zulässig und praktisch realistisch organisiert werden.
Wichtig: Die Pflegekasse bezahlt nicht automatisch den Vertrag mit einer im Haushalt lebenden Betreuungskraft. Viele Leistungen sind an bestimmte Verwendungszwecke, zugelassene Dienste oder anerkannte Angebote gebunden.
Welche Leistungen bietet die Pflegeversicherung im Jahr 2026?

| Leistung 2026 | Pflegegrad 2 | Pflegegrad 3 | Pflegegrad 4 | Pflegegrad 5 |
|---|---|---|---|---|
| Pflegegeld monatlich | 347 Euro | 599 Euro | 800 Euro | 990 Euro |
| Ambulante Pflegesachleistungen monatlich | 796 Euro | 1.497 Euro | 1.859 Euro | 2.299 Euro |
| Entlastungsbetrag monatlich | Bis zu 131 Euro bei Pflegegrad 1 bis 5 | |||
| Gemeinsamer Jahresbetrag | Bis zu 3.539 Euro für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege | |||
| Pflegehilfsmittel zum Verbrauch | Bis zu 42 Euro monatlich bei erfüllten Voraussetzungen | |||
| Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen | Bis zu 4.180 Euro je Maßnahme und anspruchsberechtigter Person | |||
Personen mit Pflegegrad 1 erhalten kein Pflegegeld und keine regulären ambulanten Pflegesachleistungen. Sie können jedoch unter anderem den Entlastungsbetrag und weitere Leistungen nutzen. Ohne anerkannten Pflegegrad besteht auch kein Anspruch auf den Entlastungsbetrag der Pflegeversicherung.
Wie kann Pflegegeld für die Betreuung zu Hause eingesetzt werden?
Pflegegeld wird ab Pflegegrad 2 gezahlt, wenn die häusliche Pflege in geeigneter Weise selbst organisiert und sichergestellt wird. Die pflegebedürftige Person kann grundsätzlich selbst entscheiden, wie sie das Geld innerhalb ihrer Pflegeorganisation einsetzt. Es kann deshalb auch dazu beitragen, private Kosten einer Betreuungslösung zu tragen.
Das Pflegegeld ist jedoch deutlich niedriger als die Gesamtkosten einer 24-Stunden-Betreuung und deckt diese in der Regel nur teilweise. Zudem müssen Pflegebedürftige, die ausschließlich Pflegegeld beziehen, verpflichtende Beratungsbesuche nach § 37 Absatz 3 SGB XI abrufen.
Praxis-Tipp: Rechnen Sie Pflegegeld nicht als vollständige Finanzierung, sondern als einen Baustein im monatlichen Haushaltsplan.
Wie funktionieren Pflegesachleistungen und Kombinationsleistung?
Ambulante Pflegesachleistungen sind für zugelassene Pflege- oder Betreuungsdienste vorgesehen. Sie werden nicht als frei verfügbares Geld ausgezahlt und können daher nicht ohne Weiteres zur Bezahlung einer beliebigen privaten Betreuungskraft verwendet werden.
In vielen Haushalten übernimmt eine Betreuungskraft Alltag, Haushalt und Begleitung, während ein ambulanter Pflegedienst körperbezogene Pflege oder medizinisch notwendige Aufgaben ausführt. Werden Pflegesachleistungen nur teilweise genutzt, kann das verbleibende Pflegegeld anteilig als Kombinationsleistung ausgezahlt werden.
Beispiel: Werden 60 Prozent des Sachleistungsbudgets genutzt, bleiben grundsätzlich 40 Prozent des Pflegegeldes erhalten. Die Pflegekasse berechnet den genauen Betrag.
Wofür kann der Entlastungsbetrag genutzt werden?
Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 bis 5 erhalten einen Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro monatlich. Das Geld wird nicht frei ausgezahlt, sondern gegen Rechnungen für gesetzlich anerkannte Angebote erstattet.
- anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag,
- Tages- oder Nachtpflege einschließlich bestimmter Eigenanteile,
- Kurzzeitpflege einschließlich bestimmter Eigenanteile,
- bestimmte Leistungen zugelassener ambulanter Dienste,
- bei Pflegegrad 1 auch körperbezogene Selbstversorgung durch einen Pflegedienst.
Ob eine Betreuungsagentur oder eine bestimmte Betreuungskraft über den Entlastungsbetrag abgerechnet werden kann, hängt von der landesrechtlichen Anerkennung und dem konkreten Leistungsmodell ab. Der Betrag darf deshalb nicht pauschal als monatlicher Zuschuss zur 24-Stunden-Betreuung eingeplant werden.
Welche Rolle spielt der gemeinsame Jahresbetrag?
Für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege steht bei Pflegegrad 2 bis 5 im Jahr 2026 ein gemeinsamer Jahresbetrag von bis zu 3.539 Euro zur Verfügung. Das Budget kann flexibel zwischen beiden Leistungsarten aufgeteilt werden, wenn die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind.
Der Jahresbetrag ist kein pauschaler Zuschuss zum laufenden Monatsvertrag einer Betreuungskraft. Verhinderungspflege setzt eine vorübergehende Ersatzpflege voraus. Die Erstattungsregeln unterscheiden sich außerdem danach, ob die Ersatzpflege durch einen Pflegedienst, eine nicht verwandte Person oder einen nahen Angehörigen erfolgt.
Seit dem 1. Januar 2026 müssen Anträge auf Kostenerstattung für Verhinderungspflege grundsätzlich spätestens bis zum Ende des Folgejahres bei der Pflegekasse eingereicht werden. Rechnungen und Zahlungsnachweise sollten daher zeitnah gesammelt werden.
Welche steuerlichen Möglichkeiten gibt es?
Unter den Voraussetzungen des § 35a EStG können 20 Prozent begünstigter Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse sowie Pflege- und Betreuungsleistungen direkt von der Einkommensteuer abgezogen werden. Der Höchstbetrag liegt insgesamt bei 4.000 Euro pro Jahr.
- Es muss eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegen.
- Die Zahlung muss unbar auf ein Konto des Leistungserbringers erfolgen.
- Nur begünstigte Arbeits- und Dienstleistungsanteile können berücksichtigt werden.
- Erstattungen und steuerfreie Leistungen dürfen nicht doppelt berücksichtigt werden.
- Der Höchstbetrag gilt haushaltsbezogen, nicht automatisch für jede betreute Person einzeln.
Ob und in welchem Umfang Kosten einer konkreten 24-Stunden-Betreuung steuerlich anerkannt werden, hängt von Vertrag, Rechnungsaufteilung, Haushaltssituation und bereits erhaltenen Leistungen ab. Eine individuelle Prüfung durch Steuerberatung oder Finanzamt ist deshalb sinnvoll.
Ein zusätzlicher Abzug als außergewöhnliche Belastung kann in bestimmten Konstellationen infrage kommen. Dabei gelten andere Voraussetzungen, insbesondere die zumutbare Eigenbelastung und die Anrechnung von Erstattungen. Beide steuerlichen Wege können nicht beliebig für dieselben Kosten kombiniert werden.
Wichtig: Barzahlungen erkennt das Finanzamt für die Steuerermäßigung nach § 35a EStG grundsätzlich nicht an. Bezahlen Sie Rechnungen per Überweisung und bewahren Sie Rechnung sowie Zahlungsbeleg auf.
Wie erstellt man einen realistischen Kostenplan?
- Gesamtkosten anfordern: Monatspreis, Reise, Feiertage, Wechsel, Vermittlung und mögliche Zusatzkosten schriftlich erfassen.
- Pflegegeld eintragen: Den Betrag entsprechend dem anerkannten Pflegegrad berücksichtigen.
- Pflegedienst getrennt berechnen: Sachleistungsbudget und mögliche private Mehrkosten prüfen.
- Anerkannte Entlastungsleistungen prüfen: Nicht automatisch den gesamten Entlastungsbetrag als Betreuungskosten abziehen.
- Jahresbetrag nur bei konkreter Nutzung einplanen: Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege als zeitlich begrenzte Leistung kalkulieren.
- Steuervorteil vorsichtig berechnen: Er wirkt erst über die Einkommensteuer und hängt von der individuellen Steuerschuld ab.
- Unterkunft und Verpflegung berücksichtigen: Ein eigenes Zimmer und laufende Haushaltskosten bleiben Bestandteil des Modells.
- Reserve bilden: Kosten für Krankheit, Wechsel oder kurzfristige Ersatzlösungen einplanen.
| Position | Monatlicher oder jährlicher Betrag | Hinweis |
|---|---|---|
| Vertragspreis Betreuung | Individuelles Angebot | Alle Zuschläge einbeziehen |
| Ambulanter Pflegedienst | Abrechnung über Sachleistungsbudget und gegebenenfalls privat | Behandlungspflege kann getrennt über die Krankenkasse laufen |
| Pflegegeld | 347 bis 990 Euro monatlich | Abhängig von Pflegegrad und Nutzung von Sachleistungen |
| Entlastungsbetrag | Bis zu 131 Euro monatlich | Nur für anerkannte und nachgewiesene Leistungen |
| Gemeinsamer Jahresbetrag | Bis zu 3.539 Euro jährlich | Nur für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege |
| Steuerermäßigung | Bis zu 4.000 Euro jährlich | Abhängig von Voraussetzungen und tatsächlicher Steuerschuld |
Welche Fehler sollten Familien vermeiden?
- Entlastungsbetrag als Bargeld einplanen: Er wird nur für anerkannte Leistungen gegen Nachweis erstattet.
- Pflegesachleistungen für jeden Anbieter ansetzen: Sie stehen nur für zugelassene Dienste zur Verfügung.
- Jahresbetrag als laufenden Zuschuss betrachten: Er dient ausschließlich Verhinderungs- und Kurzzeitpflege.
- Steuervorteil vorab vollständig abziehen: Er hängt von der individuellen Steuerpflicht und den anerkannten Kosten ab.
- Arbeitszeit unterschätzen: Eine einzelne Betreuungskraft kann keine lückenlose 24-Stunden-Arbeit leisten.
- Zusatzkosten übersehen: Reise, Feiertage, Unterkunft, Verpflegung und Wechsel können den Gesamtpreis erhöhen.
- Bar bezahlen: Dadurch kann die steuerliche Anerkennung nach § 35a EStG verloren gehen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
| Thema | Was Familien wissen sollten |
|---|---|
| Direkte Finanzierung | Es gibt keine eigenständige Pauschalleistung für 24-Stunden-Betreuung. |
| Pflegegeld | Ab Pflegegrad 2 frei innerhalb der häuslichen Pflegeorganisation einsetzbar. |
| Pflegesachleistungen | Nur für zugelassene Dienste; nicht als Bargeld verfügbar. |
| Entlastungsbetrag | 131 Euro monatlich bei Pflegegrad 1 bis 5 für anerkannte Angebote. |
| Jahresbetrag | Bis zu 3.539 Euro für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. |
| Steuer | 20 Prozent begünstigter Aufwendungen, maximal 4.000 Euro Steuerermäßigung. |
| Kostenplan | Alle Leistungen, Eigenanteile und Zusatzkosten getrennt kalkulieren. |
Nicht jedes Budget bezahlt dieselbe Leistung: Expertenhinweis von Pflege-expert24.de
Aus Sicht der Pflege-expert24-Redaktion entsteht der häufigste Planungsfehler, wenn alle verfügbaren Leistungen einfach vom Monatspreis der Betreuungskraft abgezogen werden. Pflegegeld ist relativ flexibel einsetzbar. Pflegesachleistungen, Entlastungsbetrag und gemeinsamer Jahresbetrag sind dagegen an konkrete Anbieter, Anerkennungen oder Versorgungssituationen gebunden.
Eine belastbare Finanzierung beginnt deshalb mit einer Zuordnung: Welche Leistung bezahlt den ambulanten Pflegedienst? Welche Rechnung kann über den Entlastungsbetrag erstattet werden? Wann liegt tatsächlich Verhinderungspflege vor? Erst danach lässt sich der private Eigenanteil realistisch berechnen.
— Expertenhinweis der Pflege-expert24-Redaktion
Pflege-expert24 unterstützt bei der regionalen Orientierung
Pflege-expert24 hilft Familien, Betreuungsbedarf und Versorgungsmöglichkeiten einzuordnen. Bei Anfragen zur 24-Stunden-Betreuung kann eine Anfrage nach einer Bedarfsermittlung an einen ausgewählten Partner weitergeleitet werden. Aktuell arbeitet Pflege-expert24 in diesem Bereich mit Promedica24 zusammen.

Häufige Fragen zur Finanzierung der 24-Stunden-Betreuung
Zahlt die Pflegekasse eine 24-Stunden-Betreuung vollständig?
Nein. Es gibt keine eigene Pauschalleistung für dieses Betreuungsmodell. Pflegegeld und weitere zweckgebundene Leistungen können die private Belastung reduzieren, decken die Gesamtkosten aber in der Regel nicht vollständig.
Ab welchem Pflegegrad gibt es Pflegegeld?
Pflegegeld steht ab Pflegegrad 2 zur Verfügung. Im Jahr 2026 beträgt es monatlich 347 Euro bei Pflegegrad 2, 599 Euro bei Pflegegrad 3, 800 Euro bei Pflegegrad 4 und 990 Euro bei Pflegegrad 5.
Kann der Entlastungsbetrag für eine Betreuungskraft verwendet werden?
Nur wenn die konkrete Leistung nach dem jeweiligen Landesrecht anerkannt und erstattungsfähig ist. Der Entlastungsbetrag ist kein frei verfügbares Pflegegeld und kann nicht pauschal mit jedem Vertrag verrechnet werden.
Wie hoch ist der gemeinsame Jahresbetrag 2026?
Für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege stehen bei Pflegegrad 2 bis 5 gemeinsam bis zu 3.539 Euro pro Kalenderjahr zur Verfügung.
Wie viel kann steuerlich berücksichtigt werden?
Für begünstigte haushaltsnahe Pflege- und Betreuungsleistungen können grundsätzlich 20 Prozent der anerkannten Aufwendungen direkt von der Einkommensteuer abgezogen werden, höchstens 4.000 Euro pro Jahr. Voraussetzung sind unter anderem Rechnung und unbare Zahlung.
Braucht man für den Entlastungsbetrag einen Pflegegrad?
Ja. Der Entlastungsbetrag steht pflegebedürftigen Personen mit Pflegegrad 1 bis 5 zur Verfügung. Personen ohne anerkannten Pflegegrad haben keinen Anspruch darauf.